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Im Banne des "Goldenen"

Eine Highlight-Erzählung aus
dem Repertoire des Autors


Es ist etwa acht Uhr, die lange Dünung, aus Süden kommend hebt unser kleines, offenes Boot, ausgerüstet mit einem, etwas Unmut ausstrahlenden Außenborder sachte auf und ab, sähe man nicht anhaltend hinaus auf den Horizont würde es einem wahrscheinlich gar nicht auffallen denn die Wellenkämme sind weit voneinander entfernt und es weht kein Wind. Wir befinden uns auf dem Südpazifik an Mexikos Küste bei Oaxaca, die etwas frischeren Morgentemperaturen weichen langsam der, am strahlend blauem Himmel stehenden Sonne, welche langsam beginnt, die Hitze des aufkommenden Tages anzukündigen. Meine Arme sind bereits am rasten von einem zwanzig Minuten dauernden Kampf mit einem knapp zwölf Kilo Gelbflossenthun, wir hatten Glück und gerieten gleich bei unserer Ausfahrt in einen mittelgroßen Schwarm dieser, wahrlich für große Geschwindigkeiten gebauten Jäger der offenen See. Nun fahren wir gemütlich dahin, den Himmel über dem Horizont nach Vögeln absuchend, ein sicheres Zeichen für die Präsenz von jagenden Fischen. "Alli, mira, un Arbol!" ruft der Guide, gleichzeitig Kapitän, mir auf einmal zu und ich blicke in die Richtung in die er deutet und sogleich sehe ich ihn, ein etwa zehn Meter langer Baumstamm, zu zwei Dritteln gegabelt, etwa einen halben Meter im Durchmesser- die beste vorstellbare Unterkunft für "Reisende" im offenen Meer, Unterschlupf für kleine Fische, Magnet für Räuber. Und schon geht es los: Ein Ruck an der, fix am Boot befestigten Leine, an welcher sich ein Schleppköder befindet und dem Broterwerb des Eigners dient, gibt uns die erste Arbeit, "Ay! un Dorado" rufe ich und schon springt sie , die etwa eineinhalb Meter lange Goldmakrele, schon steht das Boot und Tatcho, so der Name des Kapitäns deutet mir, ihm meine Fliegenrute zu geben und den gehakten Fisch zu landen. "Keine Eile" denke ich bei mir "hier schwimmt uns nichts davon" und übergebe ihm meine "Zwölfer". Ich beginne, den Fisch Hand über Hand and dem zweihunderter Monofil einzuholen. Erinnerungen an Ernest Hemingways berühmtes Epos werden wach. Auf einmal höre ich ein vertrautes Geräusch, hat da etwa Tatcho -  nein - ein Fisch hat den Popper, den ich eigentlich dicht beim Boot im Wasser habe treiben lassen um bereit für den Wurf zu sein genommen und zieht mit ihm ab, die Umdrehungen der Rolle auf etwa fünftausend Touren geschätzt, Tatcho schaut meine Rute an als sei sie Neptuns Speer persönlich und sein Blick verrät mir, dass er absolut keine Ahnung hat was er mit ihr anstellen soll. Sofort übergebe ich ihm die Handleine, den Dorado schon fast beim Boot und übernehme meine "9-#12", höchst bedacht, meine Finger nicht in die Nähe der kreischenden Rolle zu bringen. Der Fisch zieht noch weitere hundert Meter ab bis ich ihn unter Kontrolle bringen kann, dann steht die Rolle, ich ziehe die Bremse an und beginne zu Pumpen, die Schnur beginnt steiler in das tiefe Blau des Meeres abzutauchen, was mag es wohl sein? Lange Minuten vergehen und Meter für Meter gewinne ich Schnur zurück, eine weitere Flucht zieht alles wieder von der Rolle, unter ständigem Zug pumpe ich weiter, die Rute biegt sich bis zum Butt, die Spitze irgendwo unter dem Boot, eine viertel Stunde sehe ich kaum mehr als den Griff der Rute, "ein Wunder, dass sie so eine Belastung aushält" denke ich und pumpe weiter, dann, als ich glaubte, einen blausilbernen Schimmer unter mir zu entdecken, die Fliegenschnur bereits in den Ringen, überlegt es sich mein Gegenspieler noch einmal und testet das Vorfach von seiner Seite aus, zzzzzzzzt, und wieder sehe ich nur noch das Backing, nach zwei, drei Wiederholungen dieses Szenarios sehen wir den Fisch, ein Thun, etwa zwanzig Kilo, die Vorstellung von noch größeren Fischen wird schwierig, da mir jetzt schon die Bizepse und der Rücken schmerzen. Endlich landen wir den Fisch mit Hilfe von Tatchos kunstvollem Griff an der Schwanzwurzel. Sichtlich gezeichnet aber mit dem erhabenen Gefühl des Siegers betrachte ich ihn und überlege mir ernsthaft, ob wir noch weiterfischen sollen. "Weiter!" Denke ich, - die Chance, auf eine treibende Wohnung im Pazifik zu stoßen stehen eins zu hundert, mindestens", und nichts macht es leichter zu wissen wo man hinwerfen muss, und man hat "ewig" Zeit. Wir sehen den Stamm, wir sind etwas abseits getrieben, langsam nähern wir uns in einem Bogen, kleine Schatten kann ich ausmachen direkt unter dem Stamm -Beutefische, die unter dem treibenden Holzes Schutz vor der Sonne suchen. Wir sind etwa zwanzig Meter entfernt. Die Schnur habe ich bereits von der Rolle gestrippt, der Popper schaut etwas verbissen aus nach dem Drill mit dem Thun. Nun werfe ich. Die Selbstgebundene landet etwa zwei Meter vom Stamm, in einem Zug mit der Rutenspitze bringe ich sie in Bewegung , ein gemächlicher Zug, Platsch! Die Fliege verschwindet in einem Spritzer aus Wasser, sofort will ich anschlagen doch das hat bereits der Fisch für mich erledigt, zzzzzzt, und Sprung -  eine Goldmakrele!  "Zwölf Kilo" schätze ich, während ich mich konzentriere, auf alle Kapriolen des flüchtenden Fisches zu reagieren. Dann taucht sie knapp vor dem Boot vorbei und ich muss auf die andere Seite. Nun beschleunigt die Schnur seitlich und das Flitzen erzeugt eine kleine Fontäne auf dem Wasser, "jetzt kommt sie" sage ich zu mir und ja, da springt sie schon , ganz aus dem Wasser, zwei Sekunden vergehen bis der Flug zu Ende ist und die Goldmakrele erneut abtaucht. Zweimal springt sie noch und einmal noch ändert sie die Richtung und wieder muss ich auf die andere Seite. Zehn Minuten später habe ich sie längsseits, Tatcho versteht sein Handwerk und gekonnt hievt er sie ins Boot, Zwölf Kilo Kampfkraft von unglaublich schönen Farbschimmern begleitet liegen vor mir, ich werde ehrfürchtig. "Cerveza!" sage ich zu Tacho "Tengo bastante, vamos!" und zeige auf die Küste, eine eindeutige Geste machend, dass ich anfange, einen eisgekühlten Drink zu vermissen. Ich schaue zurück auf den Baum, "Sollte ich doch noch einmal, nein, genug! Zufriedenheit muss Grenzen haben!" sage ich zu mir, mich wie ein König fühlend.  Es war ein schöner Fliegenfischertag!



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